29. November 2011: Mt Kinabalu

Man nehme ein defektes Flugzeugteil, zwei genauso spontane (und libenswürdig bekloppte) Kollegen, ein Auto, und viel Spaß an der Natur. Raus kommt ein perfekter Ausflug, an dem der Kampagnenalltag mal vergessen sein kann!
DIe Idee schwebte die ganze Zeit über uns. Schon beim Projektmeeting im Juli hörten wir vom Ausflug zum Mt Kinablau, einem 4095m hohen Berg im Norden von Borneo. Der Ausflug sollte sich echt lohnen, man sollte ien bisschen fit sein, aber eigentilch ist es für so nen hohen Berg echt gemütlich,... Genauso klar war auch schon bei diesem Meeting, dass so mancher gerne diesn Berg besteigen wollte, sollte sich die Gelegenheit während der Mess-Kampagne mal bieten.
Und diese Gelegenheit bot sich! Unser Flugzeug hatte ein defektes Teil an Bord, dessen Austausch sich als schwierig erwies. Es handelte sich um keinen Stadard-Defekt, was hieß ein Ersatzteil musste erst bestellt werden. Dieses Teil musste dann auch erst in Europa programmiert und nach Malaysia geschickt werden. Sonntag morgen war klar, dass das Flugzeug vor Ende der gerade erst begonnenen Woche nicht mehr fliegen würde. Sofort schauten Katja und Markus nach FLügen in den Norden - die aber sehr schwer zu ergattern waren, erst recht so kurzfristig und auch noch für 3 Personen. Nach 1,5 Stunden war klar: Wenn wir noch zum Berg wollten, mussten wir mit dem Auto fahren. Wenn wir fahren wollten, würden wir mind. 10 Stunden brauchen, bis wir am Nationalpark waren. Wenn wir also fahren wollten, müssten wir quasi auf der Stelle aufbrechen. Ich hatte leider gerade recht viel zu tun, da an anderer Stelle ziemlich viele Messdaten angehäuft wurden, aber ich konnte die Flut schnell abarbeiten, und so sprangen wir noch vor Mittag ins Auto und fuhren zum Hotel um unsere Sachen zu packen. Es zahlte sich also doch noch aus, dass ich den Wanderrucksack mitgenommen hatte. Den machte ich leer, und stopfte wieder hinein, was ich in den nächsten zwei Tagen wohl brauchen würde. Ersatzklamotten, Zahnbürste, Schlafsack (extra noch vor der kampagne gekauft - für den Fall der Fälle!), und richtig viel Proviant. - Also ich nach dem Ausflug die Sachen wieder auspackte fiel mir auf, dass der Rucksack wohl doch nciht so leer war, wie ich geglubt hatte: ich hatte in paar gute Schuhe darin vergessen... Ganz klarer Fall von "Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben"
Nach einer halben Stunde trafen wir uns in der Lobby, packten das Auto, und fuhren zur großen Mall am Rande von Miri. Dort aßen wir zu Mittag, und ich besorgte noch eine Packung Klopapier, was in allen Reiseführern empfohlen wurde. Aus gutem Grund!!!
Dann ging es los.

Wir überquerten die Grenze nach Brunei, und fuhren die vom letzten Ausflug noch gut bekannte Strecke fast bis nach Bandar Seri Begawan, bogen aber kurz vor der Hauptstadt ab und orientierten uns richtung Osten zur Grenze zurück nach Malaysia. Es war schon kurz vor fünf und mittlerweile hatte es angefangen zu regnen. Auf dem Weg über den Trans-Borneo-Highway hörte der Regen nicht auf, dafür setzte die Dämmerung ein, und noch bevor wir die nächste Grenze erreichten, war es dunkel. Das bescherte uns das Erzähl-Highlight des Hinfahrt: Die Suche nach dem Weg zur Grenze.
Dank Markus' i-Phone waren wir immer gut informiert und hatten sogar einen Routenplaner zur Hand, der uns sicher der Weg zur Grenze wies. Wir fuhren also immer brav die Straßen lang, die uns gezeigt wurden, und stießen schließlich auf eine Sackgase, die mit dem Hinweisschild "Bitte hier anstellen" endete. Dieses Schild setze bei mir einen Groschen in Gang, der allerdings recht lang brauchte um zu falllen. Neben der Straße war ein "Platz", der recht gut beleuchtet war, und auf dem Autos standen. Neben den Autos stand dort auch noch Wasser, sodass wir uns sicher waren, hier nicht weiter zu kommen. Also drehten wir, fanden aber bei der nähsten Kreuzung einen hinweis, dass wir uns eigentlich auf dem richtigen Weg befunden hatten. Beim nächsten heranfahren an den "gut beleuchteten, aber vom Regen überschwemmten Parkplatz", stellten wir fest, dass die Straße wirklich aufhörte. Also beschlossen wir mal auf den "Parkplatz" zu fahren, um uns Überblick zu verschaffen. Bei mir war inzwischen der Groschen gefallen, aber meine "Fähre , das ist eine Fähre!"-Rufe kamen nur knapp rechtzeiig um zu verhindern, dass wir den Wagen in den Fluss setzen. Tränen lachend stellten wir uns dann doch für die Fähre an. Ein Brüller, der uns die ganze restliche Zeit des Kampagne noch gut unterhielt.

Der Fluss stellte die dritte Grenze dar, die wir überquerten, wiederum zwischen Malaysia und Brunei. Als wir von der Fähre runter fuhren, wunderten wir uns allerdings, dass wir an keinen Kontroll-Häuschen vorbei kamen. Wir sahen sie zwar, die Straße führte aber an ihnen vorbei. Da die anderen Autos um uns rum auch dran vorbei fuhren, taten wir es auch. Wir reisten also nicht offiziell in Brunei ein. Am nächsten Grenzübergang (Nummer 4...), juckte das niemanden. Wir konnten trotzdem (mit Stempel) ausreisen.
Das waren aber noch nicht alle Grenzübergänge, denn auch wenn wir wieder in Malaysia waren, und auch der Mt Kinabalu in Malaysia liegt, musste wir noch die Grenze zwischen Sarawak und Sabah übequeren, die sozusagen Bundesländer von Malaysia sind. Nach der letzten Grenze übernahm ich das Steuer des Wagens. Mein Streckenteil war aber echt gemein.

Auto fahren in Malaysia ist ohnehin schwierig - vor allem nachts - da ständig Fußgänger und Harakiri-Mofa-Fahrer die Straßen bevölkern. Nachts kommen die Scheinwerfer dazu, die einen blenden. Die meisten Malayen fahren nämlich mit dauerhaft eingeschaltetem Fernlicht. Und das einfach nur deshalb, weil sie es nicht merken. Die meisten Autos haben keine Kontrollleuchte, und es gibt dort an den Straßen keine Begrenzungspfosten und damit wenig, was das Licht reflektiert. Es fällt also tatsächlich nicht wirklich auf, ob man das Fernlicht an hat, oder nicht!
Dazu kam bei mir aber noch ein fieser kleiner Hügel, den ich gleich am Anfang überfahren musste, und hinter dessen Kuppe die Straße eine Kurve machte, die einfach nicht zu sehen war, bis es fast zu spät war. Danach kam eine nicht angekündigte einspurige Brücke, und danach schockte mich gar nichts mehr.

Ich fuhr bis Kota Kinabalu, von wo aus Markus uns bis vor die Tore des Mt Kinabalu Nationalparks fuhr. Dort fanden wir ein Motel, in das wir noch einchecken konnten. Um 01:30 lag ich im Bett und rief noch zu Hause an. Schließlich war Sonntag, und sogar 1. Advent! Einder der turbulentesten, die ich je erlebt habe!

Am nächsten Morgen beim Frühstück schmiedeten wir dann Pläne für den Tag. Ich tendierte eigentlich dazu gemütlich durch den Nationalpark zu wandern, und die Vegetation zu bewundern. Immerhin waren wir schon auf 1800m und dort sieht der Regenwald schon ziemlich anders aus, als auf den Flecken, die wir bisher gesehen hatten. Markus und Katja wollten aber lieber auf den Berg steigen, und ich beugte mich der Mehrheit. Wir fuhren also zu den Nationalpark-Headquaters und buchten Schlafplätze auf der Hütte (eine Übernachtung auf 3200m ist bei der Besteigung immer vorgesehen) und den Guide, der uns sichr den Berg hoch bringen sollten. Auch der ist vorgeschrieben. Ich rüstete mich noch mit Handschuhen und einer Stirnlampe aus, die unentbehrlich sind, wenn man bis zum Gipfel will- nur für alle Fälle.

Endlich gingen wir los. Vor uns lagen schlappe 6 km Weg bis zur Hütte. Die allerdings auch 1400 Höhenmeter beinhalteten, was den Aufstieg mehr als anstrengend werden ließen. Es ging vorbei an tollen Regenwald-Szenarien, immer weiter den Berg hoch.
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Vor allem der untere Abschnitt war anstrengend, wo die Luft noch feucht und warm war, und die Stufen am höchsten. Aber wir tasteten uns immer weiter hoch. Zum Glück gab es immer wieder Hütten, in denen man sich setzen konnte und durchschnaufen. Das war bitter nötig. Trotzdem war der Aufstieg ein Natur-Erlebnis.
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Kurz vor der Hälfte des Weges holte uns allerdings ein, was dem Wald hier seinen Namen gibt: Der Regen. Tropischer Regen. Sturzbäche, die innerhalb kürzester Zeit die Wege in kleine Flüsschen verwandelten.
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Einen ganz dicken Schauer warteten wir in einer Wellblechhütte ab, und sangen zu heimeligem i-Phone-Kerzen-Schein "Im Advent". DIe Laune ließen wir uns also nicht verderben, auch wenn bald klar war, dass wir auch am nächsten Tag noch mit den nassen Schuhen und durchnässten Rucksäcken zu kämpfen haben würden. Irgendwann war der Regen aber auch egal, es ging nur noch darum, irgendwie oben an zu kommen.

In der Dämmerung erreichten wir schließlich die Hütte, und ich war einfach nur noch froh, im warmen und trockenen zu sein, und keinen Schritt mehr gehen zu müssen. Mir war klar, dass ich am nächsten Morgen nicht mit zum Gipfel aufbrechen würde.

Wir bezogen unser Zimmer im oberen Stockwerk der Hütte, das wir uns mit drei Australiern teilten, und stürzten und danach auf das Abend-Buffet. Das war unglaublich lecker und belebte die Geister. Um 20:00h war Bettruhe angesagt, da diejenigen, die den Gipfel erstürmen wollten, am nächsten Morgen um halb drei aufbrechen mussten. Ich versuchte die trockensten Klamotten aus meinem Rucksack zu fischen, und breitete meinen Schlafsack auf dem Bett aus. Das war zwar nicht unbedingt nötig, Bettzeug war vorhanden, aber ich fror vor Müdeigkeit und Nässe. Die Klamotten, die ich am nächsten Tag tragen wollte, versuchte ich irgendwie im Zimmer aufzuhänden - da war allerdings so gut wie kein Platz mehr für irgendwas. Die Nacht war eher unruhig, vor allem, als am nächsten Morgen alle zum Gipfel aufbrachen.

Um halb sechs zog ich dann auch meine immernoch ziemlcih feuchten Sachen wieder an, und ging raus, um zusammen mit Katja von der Hütte aus den Sonnenaufgang zu beobachten. Und der Anblick entschädigte für alle Mühen des vorigen Tages:
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Als Markus wieder vom Gipfel zurück war, frühstückten wir gemeinsam, und stiegen dann wieder ab. Auf dem letzten Kilometer wunerten wir uns WIE steil die Stufen alle waren, und wunderten uns, wer eigentlich noch fit genug sein würde Auto zu fahren. Nach dem Mittagessen hatten sich unsere Beine aber schon gut beruhigt.

Leider schafften wir es bis 22h nicht mehr über alle Grenzen, was bedeutete, dass wir auf dem kleinen Stückchen Malaysia zwischen den beiden Brunei-Teilen übernachten mussten. Dort fanden wir zum Glück auch ein nettes Hotel, in dem ich mich vor allem über die warme Dusche freute. Dann ging`s so schnell wie möglich ins Bett, denn am nächsten Tag war um 10 Uhr morgens ein Meeting am Kampagnenstützpunkt angesetzt, und wir hatten noch eingie Stunden Fahrt vor uns. Also schwangen wir uns um halb sechs morgens ins Auto, und versuchten es noch pünktlich zurück nach Miri zu schaffen. Dank Makrus' i-Phone fanden wir eine geniale Abkürzung durch Brunei, die uns bestimmt eine ganze Stunde Fahrt ersparte. So waren wir tatsächlich Schlag 10 Uhr im Hangar zum Meeting zurück.

Ich war völlig erledigt, hatte mir eine Erkältung eingefangen, an der ich ncoh 3 Tagle lang "Freude" hatte, aber wir hatten die Zeit wirklich klasse genutzt, und waren uns einig, dass es das wert war!

 

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Zwar schon etwas her, aber immer noch toll zu lesen und vor allem zu sehen! das macht Lust auf mehr Berge 2012!

 
 

Hallo, liebe Mareike, auch wenn's eine Weile her ist. Ich bringe den Mund vor Staunen und Anerkennung nicht zu. Gruß vom Michel

 
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