14. Dezember: Sommerpalast und Himmelstempel

Nach einem Tag Pause hatte sich die Kälte leider noch nicht verzogen. Aber schon mal vor Ort, versuchte ich natürlich auch noch die restlichen Highlights der Stadt zu „erobern“.
Am Dienstag kämpfte ich erst mal um ein neues Hotelzimmer: Das ursprüngliche Zimmer lag im obersten Stock des Hotels, das allerdings gerade um einige Stockwerke erhöht wurde. Also wurde ich um 6 von Bau-Lärm geweckt, und das ließ ich mir nicht bieten. Im Nachhinein frage ich mich allerdings, wie ich es geschafft habe, den nicht englisch sprechenden Hotelangestellten das eigentlich klar zu machen?
Außerdem gönnte ich mir einen Tag Pause: Die Luft war merklich schlechter, draußen, ich war doch recht mitgenommen vom Klimawechsel und der Arbeit auf der Kampagne vorher, und Daniel musste Arbeiten. Also erledigte ich Kram, der noch von der Kampagne liegen geblieben war, ruhte mich aus, und ging am Nachmittag zu einem Vortrag, in dem Daniel in seiner Arbeitsgruppe seine Diplomarbeit vorstellte. Dann noch etwas essen, in der Mensa der Uni: Lotus-Stängel. Ein wahnsinns-Essen! Muss ich unbedingt Ausschau nach halten in den Asia-Läden in Deutschland!
Mittwoch unternahm ich dann aber wieder etwas. Zwar auch allein, weil Daniel nicht so lange frei hatte, aber er hatte mir sein U-Bahn Ticket gegeben, sodass ich mobil war. Mobil heißt: Man setzt sich in einen Bus und hofft, dass er in die richtige Richtung fährt. Wenn der Bus dann dort, wo man aussteigen will, ankommt, hofft man das per Zufall zu erkennen, denn Haltestellen werden Grundsätzlich nur auf Chinesisch angesagt, und die Pläne sind ebenfalls chinesisch. Daniel hatte mir aber beschrieben, wie ich zum Sommerpalast kam, und ich schaffte es ohne Zwischenfälle. Und sogar ohne Gedränge, denn ich hatte morgens die Rushhour abgewartet.
So stieg ich schließlich nach einer guten Dreiviertelstunde Fahrt aus der warmen U-Bahn, und suchte mir den Weg zum Palast. Das war gar nicht leicht, denn es war ja keine Saison, und wenn man in China ist, sehen ja auch alle anderen Gebäude chinesisch aus, da kann so ein Palast schon mal untergehen. Erst recht, wenn man die Hinweisschilder nicht lesen kann.
Schließlich fand ich ein großes rotes Tor, und nahm es als Zeichen, dass ich richtig sein musste. Die Ticket-Schalter rechts und links bestätigten den Eindruck, und ich erkaufte mir den Eintritt. Bis hier hin hatte es vielleicht 20 Minuten gedauert, und ich hoffte inständig, dass man im Palast ausgiebig Innenräume bestaunen könnte.
Die Hoffnung wurde leider enttäuscht: Die Innenräume waren zu, und wäre ohnehin wohl ähnlich kalt gewesen, wie draußen. Ich schätzte die Temperatur auch etwas -10 Grad und suchte mir die sonnigsten Wege, die ich finden konnte. Ich lief einfach drauf los, und stellte zum Glück erst beim Verlassen des Geländes, mit Blick auf den Plan fest, wie groß die Anlage eigentlich ist, und wo ich hätte landen können.
Die Anlage erstreckt sich am Ufer eines großen Sees, und ist auf einem Hügel errichtet, den ich zuerst erklomm. Einerseits, damit mir etwas wärmer würde, andererseits, weil Sonne und Palast auf der anderen Seite lagen. Unterwegs bestaunte ich einige Trümmer von ehemaligen Gartengebäuden, und wunderte mich, wie wohl der Rest des Palastes aussehen würde? Ich wäre doch ziemlich enttäuscht, wegen einem Haufen Steine so weit zu fahren, und mir den Allerwertesten abzufrieren!
Aber als ich oben war, konnte ich erleichtert sein: Der eigentliche Palast war super in Schuss, und der Blick auf den See war toll. Ich lief in die Palastanlage hinein, und bestaunte als erstes den Tempel des Buddha-Weihrauchs (oder so ähnlich?)
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(Und wieder Postkarten-Himmel. Kennt jemand Reiseführer-Verleger? )

Von dort ging es weiter zum Buddha-Pavillon
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Was mir gleich auffiel und auch sehr beeindruckte, waren die Farben, die hier intensiver zu sein schienen, als in der verbotenen Stadt. Überall waren Ornamente aufgemalt, es wäre wohl auch nicht langweilig geworden, wenn ich den ganzen Tag nur auf die Treppengänge hätte starren müssen. (Dann wäre ich allerdings irgendwann zum Eisblock gefroren…)
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Schließlich stieg ich eine mächtige Treppe zu den Haupthäusern hinab, und gelangte zum See-Ufer. Der Blick war toll!
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In der Mitte des Sees gibt es eine kleine Insel, zu der tolle Bogenbrücke führt. Von dieser Insel hat man einen herrlichen Blick auf die gesamte Palast-Anlage. Also, ging ich am Ufer entlang zur Brücke. Weiter dann aber doch nicht, denn selbst hier am Ufer, im Windschatten einer hohen Mauer, war es richtig zugig, und der Wind war so kalt, dass jede Bö richtig wehtat. Mit allem, was ich an Schal, Kapuzen und Tüchern hatte finden können, ausgestattet, schaffte ich es trotzdem nicht dem Wind Paroli zu bieten, und beließ es bei einem Seitenblick auf den Palast:
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Als ich mich wieder zum Palast zurückgekämpft hatte, wärmte ich mich erst mal im einzigen offenen Gebäude – den Toiletten – ein wenig auf, und aß alle Schokolade, die ich mitgenommen hatte. Die Kälte hatte mich jetzt schon völlig geschafft.
Aber die Tour war noch nicht zu Ende: ich fuhr wieder mit der U-Bahn ans andere Ende der Stadt. Das dauerte etwas über eine halbe Stunde, in der ich wieder auftaute. Dann ging ich erst mal was essen. Etwas, das ich kannte. Es lebe der Kapitalismus, und die Amerikanische Essgeselschaft. – Okay, das hab ich dort nicht laut gesagt…
Nach meiner Pause unterm goldenen „M“ ging ich hinüber zum Himmelstempel, der bedeutendsten Kultstäte der Chinesen zur Kaiserzeit. Dor wurden die Götter um reiche Ernte gebeten. Weil es hier um Himmel ging, waren die Dächer nun nicht golden, wie in den Kaiser-Wohnstätten, sondern blau und grün.
Der Tempel liegt in einem schönen Park, für den man nicht viel Eintritt zahlen muss, und in dem sich die Einwohner Pekings (jetzt nicht an Hunderassen denken! wink ) treffen, um gemeinsam den Tag zu verbringen. Überall sitzen sie und spielen und unterhalten sich, oder machen Yoga, oder etwas das so ähnlich aussieht, nur viel schräger…
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Schließlich erreichte ich die Erntehalle, in der die Opfer für die Götter vorbereitet wurden. Sie ist auf 3 mal 9 Stufen zu erreichen, und liegt genau in der Mitte des Kreisrunden Platzes. Überhaupt ist die ganze Anlage ein Meisterwerk der Geometrie.
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Die Erntehalle war über eine lange Brücke verbunden mit dem Himmelstempel, einem weiten Rondell, in dessen Mitte ein Stein eingelassen ist, der den Mittelpunkt – jetzt kommt’s! – des Universums markiert!
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Die hatten halt Selbstbewusstsein, die alten Chinesen. Nabel der Welt reicht nicht, gleich Zentrum des Universums. Das sind mal Maßstäbe!
Nebenan gibt es noch eine kleine Anlage, die von einer kleinen Mauer umgeben ist, und daher eine besondere Akustik zu bieten hat. Zwei Leute, die an zwei Enden der Anlage stehen, können sich unterhalten, wenn sie gegen die Mauer sprechen. Oder brüllen, wie in der Praxis. Auch, wenn nicht viele Touristen da waren, war es dort ziemlich laut.
Die Anlage gefiel mir im Ganzen sehr gut, die Parkanlage drumrum ist richtig schön, und ich kann mir gut vorstellen, dass man dort ganze Wochenenden verbringen kann – wenn es wärmer ist.
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Am Abend traf ich mich wieder mit Daniel zu einem gemütlichen Abendessen, in einem schönen Restaurant in der Nähe des Hotels. Ein sehr, sehr kalter, aber toller Tag. Und das Highlight wartete ja noch am nächsten Tag..

 

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