12 September 2014: Flugtag

Völlig losgelöst von der Erde... Mein erster echter Missionsflug auf HALO. What happens in the plane stays in the plane, aber ein bisschen was verrate ich doch...

Ziemlich überraschend für mich, und leider auch zum Leidwesen anderer Doktoranden, wurde beschlossen, dass ich einen HALO-Flug mitmachen soll. An der Entscheidung war ich nur bedingt beteiligt, sowas ist immer sehr politisch.
In unserer "PMS-community" (das ist die Gruppe all derer, die wie ich ein Messgerät haben, das unter dem Flügel hängt - PMS steht für "particle measuring probes") gibt es 9 Messgeräte aus 4 unterschiedlichen Instituten. Von allen ist jemand hier, und jeder möchte natürlich für sich und seine DOktoranden die besten Daten aufnehmen. Also versuchen die PIs (Principle Investigators) auf die Mitflieger-Besetzung einfluss zu nehmen, so dass möglichst oft Leute aus der eigenen Arbeitsgruppe mitfliegen können. Es dauert immer eine Weile, bis alle gemerkt haben, dass auch andere Gruppen das nötige know-how mitbringen, um gute Daten aufzunehmen.
Für die Doktoranden, die ja nach der Kampagne die Daten auswerten, ist es immer gut mal mit dabei gewesen zu sein, denn es ist einfach etwas anderes ein Gerät im Labor zu betreiben, als es tatsächlich im Flug zu sehen, und mitzubekommen, wann dort welche Daten aufgezeichnet werden. Das gilt besonders für die anderen 8 Flügelsonden, die Aerosole, also Staubteilchen, und andere Partikel messen, an denen dann der Wasserdampf in der Luft kondensiert und Tropfen bildet.
Mein MTP ist da ein richtiger Exot mit seinen Temperaturmessungen, und da es seit seiner Wiederbelebung sehr brav vor sich hin misst, hatte ich gar nicht unbedingt vorgesehen selbst im Flugzeug zu landen.
Wie gesagt, die Mitflieger-Entscheidung ist auch immer politisch geprägt, und so wurde ich denn für die am Freitag geplante Flugzeugmission als Mitfliegerin ausgewählt, da nicht davon auszugehen war, dass die Partikel-Sonden viel messen würden, und es wen braucht, der dafür sorgt, dass die Geräte nicht überhitzen.

Ich stellte mich daher auf einen recht stressigen Flug ein, bei dem ich schwer damit beschäftigt sein würde bei diversen Sonden die Temperaturen streng im Auge zu behalten, damit ich sie abstellen könnte, bevor sie überhitzen und Schaden nehmen.
Besonders mein MTP ist da sehr empfindlich, da es mit der Idee entwickelt wurde, dass das Flugzeug, auf dem es fliegt, sehr hoch, und lange geradeaus fliegt. Hier geht es uns aber ja um die Vermessung von Gewitterwolken, und deren Basis liegt meist so bei 1-2km und wenn sie noch jung sind gehen sie auch nur bis 3-4km rauf. Das ist bei 35°C Bodentemperatur nicht sehr hoch, und in den ersten Flügen musste mein Gerät daher oft zwischendurch ausgemacht werden, um seinen Hitzetod zu verhindern.

Am Freitag ging es aber darum genau auf einer Flugbahn zu fliegen, die unterhalb eines Satellitenumlaufs lag. Das wird sehr gerne gemacht, denn man will ja auch wissen, ob die Satelliten noch gut messen, und sich mit diesen Messungen vergleichen.
Daher war zumindest schon mal erfüllt, dass wir lange geradeaus fliegen würden. Hinzu kam, dass ordentlich Dampf in der Atmosphäre war, und die Wolken schnell in die Höhe schossen. Darüber lag eine dicke Zirrus-Schicht, die - um die Messungen der Strahlungsgeräte interpretieren zu können- ebenfalls vermessen wurde. So flogen wir lange auf maximaler Höhe, in einer Wolke, und ich war nun damit beschäftigt sicher zu stellen, dass die Sonden nicht von außen zufrieren!

Insgesamt war es ein recht angenehmer und entspannter Flug, da wir viele Zeiten hatten, in denen wir über den Wolken flogen, wo die mir anvertrauten Geräte nichts zu tun hatten, und es denn auch nicht so viel rumpelte wie auf anderen Missionen.
Da war den Mitfliegern reihenweise schlecht geworden (Sogar den brasilianischen Militärbeobachtern, die selbst Piloten sind!). Darüber waren wir alle dankbar, und nutzten die Zeit und Brasilien von oben anzuschauen.
image

Der Himmel um uns rum war sehr spektakulär, und zum Schluss der Mission machten wir noch einige Wolkendurchflüge, bei denen es dann wieder mehr Achterbahn-feeling gab.
image

Ich sollte währenddessen immer Werte von den Sonden ablesen, was aber kaum möglich war, da meine Nase abwechselnd auf der Tastatur und an der Flugzeugdecke hing. Zum Glück waren die Durchflüge immer nur kurz, sodass es eher Spaß machte, und unsere Mägen nicht allzu schlimm traktiert wurden.
image(So siehts in den ruhigen Phasen aus)

Zwischen den Wolken gab es immer wieder tolle Ausblicke.
image

Die Stimmung an Bord war ausgelassen. Alle Mitflieger quatschen munter über Gott und die Welt, die Piloten mittendabei, und alle konnten richtig was lernen. Wir haben ja das Glück mit Piloten zu fliegen, die teilweise selbst einen wissenschaftlichen Hintergrund haben,
und uns daher nicht bloß stur durch die Gegend fliegen, sondern auch genau wissen wollen, was wir da tun, und warum, und wie. Also verwandelte sich HALO zwischenzeitlich in einen fliegenden Hörsaal, aber auch wir konnten von den Piloten lernen, was der kryptische Wetterbericht,
der uns per Satelliten-Chat immer wieder vom Boden durchgegeben wurde, bedeutete. Sogar der Militärbeobachter kam zwischendurch nach hinten, und ließ sich von mir erklären, was meine Anzeigen zu bedeuten hatte. Wir haben Sonden dabei, die Fotos von den Teilchen machen, und das sieht natürlich spektakulär aus
(kann ich hier aber verständlicherweise nicht zeigen, da es nicht meine Sonde, und damit nicht meine Daten sind!)

Wir flogen durch über 20 Wolken, von ordentlichem Kaliber, in denen meine Sonden dann messen konnten, ob mehr Wasser oder mehr Eisteilchen drinnen waren, und wie groß die waren, u.s.w.
image(Solche Wolken interessieren uns)

Wir waren über 6 Stunden unterwegs, und kamen erst abends wieder nach Manaus, wo wir erschöpft aus dem Flieger stiegen. Vorher bot sich nochmal ein spektakulärer Ausblick auf den Rio Negro:
image

Es war ein aufregender, aber in allem doch wesentlich entspannterer und spaßigerer Tag, als ich gedacht hatte. Mit meinem eigenen Messgerät kann ich auf diesen Flügen allerdings nicht viel anstellen, und so werde ich meinen Platz vielleicht auch mal den anderen Doktoranden zur Verfügung stellen, wenn das
von der Leitung aus akzeptiert wird. Ich wäre natürlich auch nicht böse, wenn ich nochmal mitfliegen "müsste"... wink

 

Dein Kommentar:

Dein Name
Deine Email-Adresse
Deine Homepage (?)
Mail bei neuen Kommentaren?
Code bitte abtippen:
 
 
 

Hallo, liebe Mareike, wenn ich lese, welche Rangelei um das Mitfliegen besteht, will ich mal lieber keinen entsprechenden Antrag stellen. Auch wenn ich sehr gern dabei wäre. Weiterhin viel Erfolg wünscht der Michel

 
Seite 1 von 1 Seiten Kommentaren