12.Dezember: Erste Eindrücke von Peking

Temperatursturz, Smog, Sprachbarriere - Der Aufenthalt in Peking im Anschluss an die Zeit in Malaysia war in vielerlei Hinsicht ganz, ganz anders. Das war mir spätestens am Ende des ersten Tages klar.
Nach nur einer Nacht in Kuala Lumpur fuhr ich bei ca 25 Grad Celsius mit Sack und Pack zum Flughafen, stieg in ein Flugzeug, und kam gut fünf Stunden später in Peking an. Dort schien zwar die Sonne, aber es waren einige Grad unter Null. So schnell kann's gehen. Am Flughafen holte mich Daniel ab, ein guter Freund der so ziemlich alle Höhen und Tiefen des Physik-Studiums mit mir geteilt hat, und nun zwecks Schreiben seiner Diplomarbeit in Peking war. Er war schon länger dort, und kannte sich aus. Und er war der Grund, warum ich überhaupt diesen Abstecher machte, denn wann hat man schon mal einen gratis-Fremdenführer direkt vor Ort? Dazu kamen noch zwei Argumente: Von Malaysia aus ist die Strecke nach Peking kürzer und allein hätte ich mir Peking wohl nicht anschauen wollen.

Nach einer ersten schnellen Stärkung noch am Flughafen, zog ich alles an, was lange Ärmel hatte (nicht viel, wenn man vorher ein paar Wochen in den Tropen war), und wir stiegen in ein Taxi, das uns zu meinem Hotel brachte. Daniel wohnte mit einer Chinesin zusammen, die ebenfalls zu seiner Arbeitsgruppe gehörte und sowohl des Englischen, als auch des Chinesischen mächtig ist. Das ist ein klarer Vorteil, denn die meisten sprechen nur Chinesisch. Diese Mitbewohnerin hatte auf einen Zettel geschrieben, wie mein Hotel heißt, und wo es zu finden ist, sodass uns der Taxifahrer zuverlässig dort hin chauffierte. Ich brachte die Sachen auf mein Zimmer, und wir zogen gleich wieder los. Daniel zeigte mir seine Wohnung, die für Europäer ziemlich gewöhnungsbedürftig ist, aber für Chinesen wohl schon eher luxuriös.

Von dort ging's weiter in den Olympia-Park, der nur ein paar Geh-Minuten von meinem Hotel entfernt lag. Dort konnte ich das "Bird's nest" und den Aqua-Cube - die Haupt-Sportstätten der Olympischen Spiele 2008 bewundern.
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Nabenbei stellte ich fest, dass Winter in Peking so richtig, richtig kalt ist. Und dass ich viiiiiiel zu wenig warme Klamotten eingepackt hatte. Dabei war es fast schon beruhigend, dass auch Daniel fror. Der war schließlich schon länger hier, und hätte die Kälte gewöhnt sein sollen.

Diese Kälte allerdings bescherte uns am nächsten Tag spektakuläre Ausblicke. Das ist keineswegs normal in Peking. Noch knapp zwei Wochen vor meinem Besuch waren einen Tag lang die Stadtautobahnen gesperrt, weil der Smog so dicht war, dass man kaum 5m weit gucken konnte.
Wir hatten da mehr Glück.
Für den ersten Tag in Peking war ein Ausflug zur Verbotenen Stadt, dem 1420 erbauten Kaiserpalast, geplant. Wir fuhren mit der U-Bahn in die Innenstadt, was um kurz vor 11 kein Problem war. WIE unproblematisch es war wurde mir erst am Abend klar, aber dazu später. Wir stiegen an der Haltestelle am Südende des Platzes des himmlischen Friedens aus, und ich war als erstes mal total positiv überrascht:
1) Blauer Himmel und kein Smog
2) Temperaturen aushaltbar
3) keine dicht gedrängten Hochhäuser, die einen einengen, sondern weitläufige Straßen mit niedrigen Gebäuden, sodass die Chinesische Architektur zur Geltung kommt. - Jedenfalls da, wo man sie nicht zwecks Idealismus verdrängen musste.

Zuerst fiel das Mausoleum von Mao auf. Es steht genau auf der Nord-Süd-Achse durch Peking, an der schon die Kaiser Chinas all ihre Bauwerke ausrichteten. Ein Bau, der das Ende der Kaiserherrschaft symbolisiert.
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"Mao-soleum" mit tollen Figuren. Ach was war das ein toller Herrscher...

An der Westseite des Platzes steht das Gebäude des Volks-Kongresses:
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(Nochmal: Der Himmel WAR so blau! Wirklich! Auch in Peking passiert das schon mal!)

Wir überquerten den Platz, vorbei an vielen wachenden Soldaten und der Säule zum Gedenken an den großen Marsch
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und näherten uns damit dem Eingang zur verbotenen Stadt. Der ist in allen Belangen typisch Chinesisch. Knallrot (bringt Glück) und mit großem Bild des "Befreiers".
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Wir kauften uns Tickets und tauchten ein in die chinesische Welt. Im Grunde ist es genau so, wie man es schon kennt. Aus dem Phantasialand zum Beispiel (behauptet eine Freundin)
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Die eigentliche verbotenen Stadt besteht aus sieben Haupt-Hallen (alle irgendwie himmlisch und mit viel Harmonie. Göttliche Harmonie, höchste Harmonie... Die wissen schon, wie man das macht, die alten Chinesen). Lustig ist die Geschichte zum Bau des Palastes. Der, der heute steht ist ja der zweite, der erste ist ziemlich bald nach Fertigstellung abgebrannt. Dumm gelaufen, muss man besser bauen, nun wurde auf das Chi geachtet. Für positive Energie sorgen der nach allen Regeln des Feng Shui richtig positionierte - und künstlich aufgeschüttete - Kohlehügel im Norden und der - künstlich umgeleitete - Fluss im Süden.
Wir kämpften uns tapfer von Halle zu Halle vor. Die ersten Eindrücke waren ziemlich imposant:
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Allerdings sahen danach doch alle Höfe und Hallen aus wie auf diesem Bild. Nach der dritten Halle irgendeiner Harmonie war nur noch spannend zu sehen, wie sich die Hallen innen unterschieden. Das war dann doch recht abwechslungsreich. Jede Halle diente damals einem anderen Zweck: Je wichtiger und angesehener der Gast war, desto weiter innen in der Stadt wurde er vom Kaiser empfangen. Entsprechend kunstvoll waren die Säle geschmückt:
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Ebenfalls schön anzusehen waren die wenigen erhaltenen Palast-Schätze, wie der goldene Himmelsglobus
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Es dauerte einige Stunden bis wir einmal durch die Anlage durch waren - obwohl nur ca zwei drittel für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Danach bestiegen wir den Kohlehügel und verschafften uns ein wenige Überblick. Die Sonne stand schon ziemlich tief, und endlich bekam ich einen Eindruck, wie es wohl wirklich um die Luft in Peking bestellt ist:
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Wir entschieden uns erstmal einen Spaziergang um den großen See neben der Palastanlage zu machen, und später dann noch in ein Einkaufszentrum zu fahren. Schließlich musste ich noch Weihnachtsgeschenke besorgen!
Mit dem Abend kam auch die Kälte wieder, aber wir genossen den langen Spaziergang am Wasser. Und wir wurden belohnt:
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Wir ließen sogar die Rikschas stehen (was gar nicht so leicht ist! Wir wurden ununterbrochen von den Fahrern angesprochen, ob wir nicht fahren wollten, einer, der uns angesprochen hatte, fuhr nachdem wir "nein" gesagt hatte einfach 10m vor und fragte uns gleich nochmal...)
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Schließlich stärkten wir uns in einem gemütlichen Café mit heißer Schokolade und stürzten uns in die U-Bahn und zum Markt.
Ein sher besonderes Erlebnis, das jedem, der asiatisches Lebensgefühl kennen lernen will, nur zu empfehlen ist - allerdings gar nichts für Klaustrophobiker!

Schon im Tunnel zu den Bahnsteigen war es rappelvoll, ständig wurden wir angerempelt. Asiaten kennen da nix, Abstand halten ist Platzverschwendung. Auf dem Bahnsteig ging es schließlich kaum noch voran - es sei denn ein Zug fuhr ein. Dann geriet alles in Bewegung, und es blieb nichts als Mitschwimmen. Wir schafften es schließlich bis vor die Tür der Gleisbarrieren (bei dem Gedränge genau das richtige, sonst würden die Leute reihenweise auf die Gleise geschubst werden!), aber schafften es nicht beide in den übervollen Zug. Vorstellen können sich das am ehesten noch Kirchentagsbesucher. Stellt euch vor, ihr steht am Bahnsteig und die Bahn kommt, und ist schon voll. Das ist gar nichts!! Der gute Chinese würde müde lächeln, und sich noch rein drängen. und die zwanzig, die hinter ihm stehen auch. Man steht wirklich Schulter an Schulter, und im Zug muss man einfach nur hoffen sich rechtzeitig wieder zur Tür drücken zu können, um dann von den mit-Aussteigenden aus dem Zug geschwemmt zu werden.
Kaum hatte ich dieses Abenteuer überlebt ging es ins Einkaufsvergnügen: Chinesische Händler auf 5 Stockwerken verteilt, die alle ihre Ware loswerden wollen. Da wird man nicht höflich zurückhaltend angesprochen und gefragt, ob man denn Interesse hätte? Nein, den Kunden festhalten ist schon mal der erste Schritt. Dabei wird gleich das erste Angebot gemacht, zu welchem Preis die Ware zu haben ist (egal, ob man sich dafür interessiert, oder nicht - man wird ja nicht gefragt). Sagt man dann "nein" ist das bloß das Signal, mit dem Preis runter zu gehen. Als "Kunde" bleibt da nur: lächeln und bei nächster Gelegenheit die Flucht ergreifen. Am besten mit gesenktem Blick stur weiter gehen. Was allerdings ziemlich hinderlich ist, wenn man Weihnachtsgeschenke sucht. Ich kaufte als erstes ein T-Shirt, das ich auf halben Preis runter handelte und damit in etwa das zahlte, was ein T-shirt in Europa auch kosten würde. Das wertete ich als Erfolg. Dann ging es weiter, Geschenk für den Bruder für einen guten Preis, ein bisschen Tee der wohl nicht allzu teuer war. Schließlich ein paar Seiden-Schals bei denen ich eisern verhandelte und denselben Preis bekam, den ich später bei einem Besuch in einer Seidenfabrik für die gleiche Ware auch hätte zahlen müssen. Ich war schließlich mit meiner Ausbeute mehr als zufrieden, und für den Rückweg gönnten wir uns dann auch wieder ein Taxi. Nochmal Bahnfahren wollte ich dann doch nicht.
Für die Wahl des Taxis brauchten wir dann allerdings auch gleich nochmal 20 Minuten, denn alle Taxifahrer weigerten sich beharrlich ihre Taxi-Uhr einzustellen, und so verglichen wir so lange Preise bis wir ein einigermaßen angemessenes Angebot bekamen. Der Taxifahrer verlangte schließlich auch die vereinbarte Summe und zurück im Hotel war ich erstmal völlig erschlagen. Was für ein Tag!!

 

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Ich sollte dich mal mit meinem Patenkind bekannt machen, die ist totaler Asien-und-China-Fan. Ein Detail finde ich grad höchst spannend: den Himmelsglobus. Mir fällt gerade auf, dass ich mir eigentlich immer vorstelle, dass ich mich auf unserer Erde innerhalb des Weltraumes befinde und auf die anderen Himmelskörper, die da so rumsausen, drauf schaue. Ich wäre nie darauf gekommen, den Himmel als Kugel darzustellen, auf dessen Oberfläche sich Sterne und Planeten befinden, auf die man dann drauf schaut -von wo eigentlich?^^ Also, schon klar, dass das ein Modell ist. Aber irgendwie witzig..

 
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