07. September 2014: ACRIDICON-Kampagne in Manaus - Angekommen!

Endlich bin ich mal wieder auf der anderen Seite der Welt. Nicht immer nur Asien, jetzt ist Südamerika dran! Ich bin seit 5 Tagen in Brasilien, genauer gesagt in manaus am Amazonas. Hier mache ich wissenschaft und vor allem mache ich langsam. Weil das alle hier so machen. Die Brasilianer jedenfalls...


Am 01. September ging's los: Ich setzte mich zusammen mit 14 Kollegen aus ganz Deutschland in die Lufthansamaschine von München nach Sao Paulo, von wo aus die Reise weiter ging nach Manaus. Hier trafen wir auf noch mehr Kollegen aus Deutschland und vor allem auf die brasilianischen und amerikanischen Kollegen, mit denen wir unsere Kampagne zusammen durchführen. Unsere Mission trägt den Namen ACRIDICON ( Aerosol, Cloud, Precipitation, and Radiation Interactions and Dynamics of Convective Cloud Systems ) und befasst sich mit konvektiven Wolkensystemen, deren Zusammensetzung wir messen wollen. Es geht darum herauszufinden, welche Art von Aerosolen (Staub oder andere Partikel, die dafür sorgen, dass sich in einer Wolke überhaupt Tropfen bilden können) in den Wolken stecken, und ob die anders aussehen, je nachdem, ob wir Wolken im Manaus-"Smog", über dem Regenwald, oder in der Nähe von Brandrodungen beproben. Wir wollen auch die Vorhersagemodelle testen, und Vergleichsmessungen mit Satelliten machen. Ein volles Programm, das wir in 5 Wochen abarbeiten wollen.

Ich hatte mich schon lange gefreut mal wieder einen neuen Teil der Welt kennen zu lernen. So war es irgendwie seltsam, als ich im Flugzeug nach Manaus eine Dokumentation über die Fotografen des Magazins "National Geographic" sah, in der man bewundern konnte, in was für Teile der Welt einen dieser Job bringen konnte. Beim Blick aus dem Fenster bot sich mir dann der Folgende Ausblick, der mir klar machte, dass ich zu einer ganz ähnlich privilegierten Berufsgruppe gehörte. Ich kann’s oft nicht ganz glauben! grin
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Beim Landeanflug konnte man schon einen Blick auf das Hotel erhaschen:
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Der Ausblick aus meinem Zimmer ist auch nicht schlecht:
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Am Abend ist die ganze Gruppe noch zusammen essen gegangen, wobei wir leider nur auf dem Rückweg die Flieger, die das Forschungsflugzeug hergeflogen hatten, treffen konnten. Der Zugang zum Flughafen ist immer noch schwierig...

Mittwoch hieß es erstmal ankommen, Daten vom Transferflug angucken, und Umgebung erkunden. Besonders die Daten waren für mich sehr interessant. Die Kampagnenvorbereitung war aus meiner Sicht ja absolut sub-optimal: Nachdem alle Instrumente installiert waren, und am Boden liefen, konnte ich mein Gerät kalibrieren, und es ging los mit dem letzten für die Zulassung des Flugzeugs wichtigen Flug, und ein paar Testflügen. Obwohl die Flüge selbst aus meiner Sicht toll liefen, hatte ich am Boden etwas merkwürdige Probleme mit meinem Instrument, die darin gipfelten, dass ich am 6. Tag vor Abflug von HALO nach Manaus mein Gerät gar nicht mehr anschalten konnte. Also wurde s ausgebaut, und die letzten Testflüge fanden ohne mich statt. Stattdessen stand ich im Labor und untersuchte meinen Computer, der die ganze Messung steuert. Dabei musste ich feststellen, dass wohl ein Chip auf dem Mainboard durchgebrannt war, was dazu führte, dass mein Computer nicht mehr hochfuhr. Zum Glück hatte ich schon eine Bestellung für ein Ersatzteil auf dem Weg (einfach, weil ich vorher beschlossen hatte, dass ich gerne eins da hätte, falls mal was mit dem Computer ist...). Dieses habe ich dann 4 Tage vor Abflug in Wiesbaden abgeholt (Mal eben 900km fahren), um am Tag T-3 (Freitag) den kompletten Computer meines Messsystems zu ersetzen. Wir mussten alles neu aufspielen (komplette Windows-Installation, die Software, die das Gerät steuert,... Um 18h am Freitagabend hing mein Gerät wieder unterm Flügel von HALO und war einsatzbereit für den Transferflug am Montag. gerade nochmal gut gegangen, in letzter Minute. Und hier in Manaus durfte ich dann sogar erleichtert feststellen, dass die Datenaufzeichnung funktioniert, und alles soweit gut aussieht! grin

Donnerstag wagten wir uns dann mal kurz in die Innenstadt. Da unser Container noch im Zoll hängt ("aber morgen kriegen wir ihn bestimmt!" ...) brauchten wir Ersatzteile. Ich meldete mich tapfer als Fahrerin, und war überrascht, wir human der Verkehr ist (im Vergleich zu dem, was ich in Asien schon gesehen hatte, und was hier angekündigt war). Wieder mal stellte sich heraus, dass im Chaotischen Verkehr jeder auf die anderen Achtet, und auch wenn es oft ziemlich eng wird, geht es immer gut, und wir kamen problemlos an. Dabei konnten wir schon mal einen schnellen Blick auf die berühmte Oper werfen:
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Und so sieht der Verkehr meist aus:
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Schließlich waren wir rechtzeitig zurück um uns durch ein Meeting quälen zu können, in dem jeder nochmal sein gerät vorstellen durfte, und wir viele, viele Grundsatzdiskussionen führen konnten. Das ist der ganz normale Kampagnen-Alltag, und wird sich hoffentlich bald legen. Abends fuhren wir in die Mall in den Food-Court, in dem es erstaunlich gutes Essen gibt, das allerdings eher europäisch ist.

Freitag war Feiertag. Das merkten wir vor allem daran, dass Donnerstagabend Party war. Techno-Party 50m neben dem Hotel. Mit lauter Musik. Sehr lauter Musik. Mit viel Bass. So viel Bass, dass die Wände gewackelt haben. Und das bis 7h morgens. SO schlecht habe ich selbst im Flugzeug nicht geschlafen. Die Stimmung am Frühstücksbuffet (vor dem regulären 8h-Statusmeeting...) war entsprechend gedrückt.
Die erste Abteilung von uns fuhr zum Flughafen, um sich den Flieger anzuschauen, blieb aber bei der Frage nach den Sicherheitsausweisen hängen. Der Rest blieb im Hotel, sprang in den Pool, schaute nochmal Daten an, und wartete auf Neuigkeiten. Schließlich kam eine Durchsage, dass jetzt auch die, die nicht priorisiert waren, zum Flughafen fahren und sich einen Ausweis holen könnten. Das machten wir, mit dem Ergebnis, dass wir um 18h einen Ausweis in der Hand hielten, der noch den Rest des Tages gültig war. Toll.

Immerhin konnten wir den Ausweis dann aber am Samstag doch wieder benutzen, und das war gut: Samstag war der erste Flugtag. Also fuhren wir gleich morgens zum Airport, um den Flieger vorzubereiten. Natürlich konnten wir nicht einfach dorthin, trotz der Ausweise mussten wir von einem Sicherheitsmenschen abgeholt werden. Also begannen wir den Tag mit Warten an der Sicherheitskontrolle.
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Schließlich gelangten wir auch aufs Flugfeld, wo wir endlich HALO begrüßen konnten.
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Wir machten alles fertig für den Flug und fragten uns, ob HALO wohl wenigstens die nächste Nach im Hangar verbrinden konnte, den wir extra angemietet und schon halb bezahlt war. Allerdings war er auch voll:
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Noch während wir auf dem Rollfeld standen, wurde das Flugzeug aus dem Hangar gezogen. Die Präsenz von 20 Wissenschaftlern schien da geholfen zu haben. Der Flug verlief dann auch ganz erfolgreich, abgesehen von ein paar Problemen mit der Hitze, und abends erwarteten wir HALO dann wieder vor dem Hangar. Da durfte er dann allerdings gar nicht erst hin rollen, und musste noch eine weitere Nacht auf dem Rollfeld verbringen.

Es gibt noch einiges zu tun. Ich muss mich noch bei der Polizei registrieren, damit ich nach meiner Ausreise auch wieder einreisen darf, brauche die Sicherheitsausweise, muss Daten-Quicklooks erstellen, und mir in absehbarer Zeit mal einen freien Tag frei schaufeln.

Alles in allem freue ich mich hier zu sein, und genieße das Kampagnenleben mit allem was dazu gehört. Die Stimmung ist gut, noch nehmen wir die Schwierigkeiten mit viel Humor, und die Aussicht besteht bald ein wenig mehr von der Ergebung zu erkunden. Dann gibt es wieder einen Eintrag!

 

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Hallo, liebe Mareike!1976 waren wir in Manaus!Durch Zufall kamen wir in das tolle Theater im "Pennerkostüm".Um 22:00 Uhr (Ortszeit) sollte der Flieger nach Lima gehen. Er kam verspätet an und flog natürlich auch wieder verspätet. Herzlich Ursula& Kurt

 
 

Endlich biste wieder unterwegs, und wir sind durch deine Berichte ganz nah dran. Am besten finde ich den Bruch-Flieger im Hangar. Immer tesaband einstecken! Eberhard

 
 

Hallo, liebe Mareike, als Deine treue und überaus interessierte Leserschar werden wir (hoffentlich) in Deiner Dissertation an passender Stelle erwähnt werden. Beste Grüße vom Michel, der Deinen 1. Bericht aus Südamerika unglaublich faszinierend findet!!!!

 
 

Hei Mareike, das liest sich ja ziemlich spannend. Habe sehr an Dich gedacht und gehofft, dass Dein neuer Computer problemlos arbeiten würde. Bin auf Deine nächsten Berichte sehr gespannt. Liebe Grüße aus dem immer kühler werdenden Gilching

 
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